Der Stoff, aus dem die Farben sind

Ilmenauer Ausstellung „rot. grün. blau.“ präsentiert faszinierende Kunstwerke aus Farbe und Licht


(C) Ingrid Scheurmann

Die Werke dreier Schweizer Künstler, die ab 28. August in der Fischerhütte in Ilmenau im Rahmen der Ausstellung „rot. grün. blau.“ zu sehen sein werden, geben einen eindrucksvollen Einblick in die aktuelle künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Welt der Farben.

Ihre Werke markieren zugleich die Pole, zwischen denen sich die imposante, farbintensive Schau bewegt: Stefan Muntwyler geht den Farben im buchstäblichen Sinne auf den Grund. In seiner opulenten Sammlung farbig schimmernder, zuweilen funkelnder, glänzender und matter, kristallisierender und irisierender Mineralien breitet er die traditionsreiche Basis künstlerischer Gestaltungen aus und bringt sie in einen ebenso meditativen wie anregenden Dialog mit eigenen Farbflächenmalereien. Der Medienkünstler Andreas Hofer dagegen, dessen Werk die Publikationen zur Ausstellung „rot grün blau“ ziert, arbeitet mit den virtuellen Farben der Gegenwart. Er komponiert seine Kunstwerke aus immateriellen Farben, die ausschließlich durch Belichtung sichtbar werden. Ulrich Bachmann wiederum betrachtet die Farbstoffe unter dem wandernden Licht der Beamer und stellt in seiner eindrucksvollen Rauminstallation die scheinbare Gewissheit des Substantiellen ebenso wie die vermeintliche Klarheit des Belichteten infrage. Ob Rot wirklich Rot ist, Grün Grün und Blau Blau, ist nach einem Besuch der Ilmenauer Ausstellung keineswegs mehr sicher. Klar ist dagegen, dass das scheinbar Selbstverständliche, das die meisten Menschen mit Farben und Licht assoziieren, bei näherem Hinsehen keineswegs so selbstverständlich ist, uns aber viel über unsere Wahrnehmung, unsere Gewohnheiten und unsere gesellschaftliche Prägung verrät.

Die Arbeiten von Muntwyler, Hofer und Bachmann verweisen auf Grundlagen wie Grenzbereiche des Farbensehens und machen überdies deutlich, wie wenig geeignet unsere Sprache ist, um die Farbenvielfalt der Natur und der Wissenschaften in Worte zu fassen. Unangemessen mutet es an, die in wunderschönen Nuancen funkelnde mineralische Substanz von Arsen mit „orangefarbig“ zu beschreiben, geradezu nüchtern mit dem Begriff „ultramarin“ die Tiefe und Sattheit des dunklen Blau zu charakterisieren oder den vielen Facetten von Schwarz mit einem einsilbigen Begriff gerecht werden zu wollen.
Dies und vieles andere sind Assoziationen, die die Ausstellung „rot. grün. blau.“ mit ihren faszinierenden Exponaten ermöglicht.

Die Besucher sind eingeladen, nicht nur ihre Vorstellungen von dem, was in der Erde verborgen ist, zu einem spektakulären Farbenfächer zu erweitern, auch das Weltall präsentiert sich keineswegs im tiefen Schwarz des Unbekannten. Nicht umsonst stellt der Ilmenauer Hochschulprofessor Christoph Schierz als Konsequenz seiner Beschäftigung mit den Farben die Frage: „Welche Farbe hat eigentlich das Nichts?“

Auf diese und andere Fragen bietet die Präsentation in der Fischerhütte ab dem 28. August farbenfrohe Antworten. Wer eine reine Wissenschaftsschau erwartet, wird überrascht sein angesichts der sinnlichen Präsenz vieler Exponate, wer sich auf ungewöhnliche Horizonterweiterungen einlässt, wird sich freuen – auch über das, was auf den ersten Blick verwirren mag: Darüber zum Beispiel, dass eine in schwarz-weißen Mustern gestaltete Scheibe bei schneller Drehung ein wahres Farbenfeuer entwickelt, das dem einen goldgelb und strahlend erscheint, es dem anderen aber buchstäblich Grün vor Augen werden lässt.

Die Ausstellung „rot. grün. blau. – Experiment in Farbe und Licht“ ist vom 28. August bis 2. November an dienstags bis sonntags von 11.00 bis 19.00 Uhr in der Fischerhütte, Langewiesener Str. 32, 98693 Ilmenau, zu sehen. (Am Eröffnungstag nur bis 17.00 Uhr) Für Schulklassen werden Sonderöffnungen von 9.00 bis 11.00 Uhr angeboten. Experimentierfreudigen Kindern bietet die Ausstellung bis zum 14. September unter dem Titel „Lukas Forscherland“ ein spezielles Kinderprogramm.

Veranstalter der Ausstellung ist die Technische Universität Ilmenau in Zusammenarbeit mit dem VDI Technologiezentrum Düsseldorf, dem Gewerbemuseum Winterthur und der Technischen Universität, Dresden.

Informationen unter:

Tel.: (+49) 3677–209945 / Fax.: (+49) 3677–209947
www.ausstellung-rot-gruen-blau.de

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

V.i.S.d.P.: Dr. Konrad Scheurmann, 15.08. 2008

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